IBA Stadtumbau 2010
Sachsen-Anhalts Städte bauen um. Zum ersten Mal ist mit Sachsen-Anhalt ein gesamtes Bundesland Schauplatz und Kern einer Internationalen Bauausstellung (IBA). Unter dem Motto "Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010" werden 19 Städte zwischen Elbe, Harz und Saale ihren ganz persönlichen Weg in die Zukunft zeigen.
Hier zu finden:
- Demografischer und struktureller Wandel
- Chance der Schrumpfung
- Aschersleben: "Von außen nach innen"
- Bernburg (Saale): "ZukunftsBildung"
- Bitterfeld-Wolfen: "Die Chemie stimmt"
- Dessau-Roßlau: "Stadtinseln"
- Halberstadt: "Kultivierung der Leere"
- Halle (Saale): "Balanceakt Doppelstadt"
- Köthen (Anhalt): "Homöopathie als Entwicklungskraft"
- Lutherstadt Eisleben: "K³ - kleiner, klüger, kooperativ"
- Lutherstadt Wittenberg: "Campus Wittenberg"
- Magdeburg: "Leben an und mit der Elbe"
- Merseburg: "Neue Milieus - neue Chancen"
- Naumburg (Saale): "Stadt-Bildung"
- Quedlinburg: "Perspektive Weltkulturerbe"
- Sangerhausen: "Rating! Für lebenswerte Stadtquartiere"
- Schönebeck (Elbe): "Siebzehnhundertvierundsiebzig"
- Staßfurt: "Aufheben der Mitte"
- Stendal: "Zentraler Ort im ländlichen Raum"
- Wanzleben: "Urbane Familienfelder"
- Weißenfels: "Grün der Zeit"
Demografischer und struktureller Wandel
Der demografische Wandel stellt uns alle vor besondere Herausforderungen. Schon heute prägt er Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Neben Wachstumsregionen wird es trotz aller Bemühungen Gebiete mit einem erheblichen Bevölkerungsrückgang geben. Dieses Nebeneinander ist auch innerhalb der Städte sichtbar.
Zugleich schreitet der Strukturwandel in der Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft voran. Davon betroffen ist auch das Land Sachsen-Anhalt, das durch eine Vielzahl von Klein- und Mittelstädten geprägt ist, die sich durch herausragende kulturhistorische Orte wie die Bauhausbauten in Dessau-Roßlau, die Luthergedenkstätten in Wittenberg und Eisleben oder die Fachwerkhäuser von Quedlinburg auszeichnen.
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© Foto: Doreen Ritzau, Rechte: IBA-Büro GbR
Chance der Schrumpfung
Seit 1989 hat Sachsen-Anhalt etwa 17 Prozent seiner Bevölkerung verloren. Ende 2008 lebten hier nach Angaben des Statistischen Landesamts knapp 2,4 Millionen Menschen. Und noch ist der Rückgang nicht gestoppt. Die Schrumpfungsprozesse erfordern einen weitblickenden Stadtumbau, der auf Leerstand und finanziellen Notstand antwortet. Die "Chance der Schrumpfung" besteht in der Konzentration auf spezifische städtische Potenziale - weniger ist mehr.
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© Foto: Doreen Ritzau, Rechte: IBA-Büro GbR
Aschersleben: "Von außen nach innen - Konzentration auf den Kern“
Aschersleben will die Innenstadt stärken und den von Verkehrsüberlastung geprägten Stadtring umgestalten. Durch das Zusammenspiel von historischer Bausubstanz, landschaftsarchitektonischen und künstlerisch-medialen Interventionen erhält der Ring eine neue Bedeutung als öffentlicher Raum.
Bernburg (Saale): "ZukunftsBildung - Lernen im Zentrum“
Bernburg sieht seine Schlüsselaufgabe für eine erfolgreiche Stadtentwicklung in einer Qualifizierung von Bildung und Kultur. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Sekundarschulen, die in der Innenstadt einen gemeinsamen Schulstandort realisieren. Durch hochwertige Bildungsangebote sollen dem Fachkräftemangel für die lokale Wirtschaft entgegengewirkt, die lebendige Innenstadt gestärkt und junge Familien zu Zuzug und Bleiben angeregt werden.
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© Grafik: Kerstin Faber, Rechte: IBA-Büro GbR
Bitterfeld-Wolfen: "Netzstadt“
Die jüngst zu einer polyzentrischen Netzstadt zusammengeschlossenen zwei Städte Bitterfeld und Wolfen sowie drei Gemeinden Greppin, Holzweißig und Thalheim wollen ihre Entwicklung effizient planen. Auf der Basis eines konsensfähigen Leitbildes, das Politik, Unternehmen und Bürgerschaft teilen, werden strategische Projekte für die gemeinsame Stadt und darüber hinaus die Region vorbereitet und neue kooperative Strukturen entfaltet. Ziel ist es, Parallelstrukturen in den Bereichen Verwaltung, Bildung, öffentliche Versorgung und Flächennutzung zu vermeiden.
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© IMG - Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH
Dessau-Roßlau: "Urbane Kerne - landschaftliche Zonen“
Die Stadt Dessau-Roßlau erprobt einen kompletten Umbau ihrer Struktur. In einem simultanen Prozess werden Quartiere gestärkt und notwendige Abrisse zusammengefasst, sodass eine neue urbane Stadtlandschaft entsteht. Die Teilhabe der Bürger und der ganzheitliche Blick auf die Entwicklung der Stadt sind der Motor für die Entwicklung.
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© Foto: Doreen Ritzau, Rechte: IBA-Büro GbR
Halberstadt: "Kultivierung der Leere"
Halberstadt erforscht Bedeutung und Wahrnehmung der "Leere" als Gestaltungsprinzip im Städtebau. Dabei sollen die verschiedenen Qualitäten von Leere herausgearbeitet und in gestalterische Strategien übersetzt werden. Zentrales Instrument für die Wahrnehmung der Aspekte der Leere sind die künstlerischen Interventionen auf dem „Trainingspfad des Sehens“.
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© Tore Dobberstein, Complizen; 2009
Halle (Saale): "Balanceakt Doppelstadt"
Halle entwickelt Konzepte und Projekte für einen respektvollen und sozial verantwortlichen Umgang mit dem Stadtteil Halle-Neustadt. In den 1960er Jahren wurde er als neue Stadt für 100.000 Einwohner konzipiert. Dadurch erfuhr auch die benachbarte Altstadt tiefgreifende Veränderungen. Neben baulichen Vorhaben konzentriert sich die Doppelstadt jetzt auf einen breit angelegten Kommunikationsprozess zu Fragen des Umgangs mit seinem Erbe und der Schaffung einer neuen Identität.
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© Collage: Reiner Weißbach, Rechte: IBA-Büro GbR
Köthen (Anhalt): "Homöopathie als Entwicklungskraft"
Köthen setzt auf die Gesundheitsbranche als Wirtschaftsfaktor und knüpft an die Bedeutung der Stadt für die Entstehungsgeschichte der Homöopathie an. Sie soll zu Imagefaktor, Wirtschaftsmotor und Bestandteil der Wissenschaftsentwicklung werden. Zugleich wird erstmals die homöopathische Methode von Ganzheitlichkeit und Impulssetzung auf Stadtplanung und -gestaltung übertragen.
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© Foto: Doreen Ritzau, Rechte: IBA-Büro GbR
Lutherstadt Eisleben: "Gemeinschaftswerk Lutherstadtumbau”
Die Lutherstadt profiliert ihre Identität als Lutherstadt durch neue Orte und ein wachsendes öffentliches Bewusstsein. Das Gemeinschaftswerk LUTHERSTADTumbau bildet dabei das Rückgrat des Entwicklungsprozesses. Mit einem innovativen Planungsinstrument, dem konzeptionellen Stadtumbauplan Altstadt mit integrierter Denkmalpflege, wird die Gratwanderung zwischen Erhalt und Abriss wertvoller Bausubstanz thematisiert.
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© Olaf Baumann, Fuge + Lippmann Architekten; 2007
Lutherstadt Wittenberg: "Campus Wittenberg"
Die Lutherstadt baut auf ihre Traditionen als Ort des Lernens und der weltoffenen Dispute. Die Forschungs- und Bildungsinstitutionen gestalten einen außeruniversitären Campus, um sich damit international als Bildungsstandort zu profilieren und "temporäre Bewohner" zu gewinnen. Dazu werden auch leerstehende historische Gebäude in der Altstadt saniert.
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© Johannes Wöbse; 2009
Magdeburg: "Leben an und mit der Elbe"
Die Landeshauptstadt muss den Strukturwandel als einstiges Industriezentrum des Schwermaschinenbaus bewältigen. Sie konzentriert sich dabei auf Stadt- und Landschaftsräume am Fluss. Während im Süden Instrumente des Flächenmanagements für eine Renaturierung der Industriebrachen qualifiziert werden, wird im Norden ein Wissenschaftsquartier entwickelt. Dazu gehören neben dem Campus der Otto-von-Guericke Universität bedeutende Forschungsinstitute und der Wissenschaftshafen.
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© Foto: Martin Stein, Rechte: IBA-Büro GbR
Merseburg: "Neue Milieus - neue Chancen"
Merseburg will seine Kernstadt durch die Ansiedlung neuer sozialer Gruppen stärken. Die Dom- und Hochschulstadt stellt sich dabei offen der Herausforderung von Migration und Integration. Zudem möchte sie Menschen aus kreativen und experimentellen Milieus als Bewohner gewinnen. Ein wichtiges Ziel ist die Schaffung einer zeitgemäßen Identität, um sich in der Nachbarschaft von Halle und Leipzig behaupten zu können.
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© Michael Uhlmann im Auftrag der IBA-Büro GbR; 2009
Naumburg (Saale): "Stadtbildung - Bürgerschaft und Baukultur“
Naumburg prüft die Hypothese, dass breite baukulturelle Bildung eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, den Stadtumbauprozess bürgerlich zu stärken und ästhetisch zu qualifizieren. Lernangebote zur gebauten Umwelt können ein neues Selbstverständnis der Bürgerschaft und Wertbewusstsein im Hinblick auf die eigene Stadt anregen. Mit guter baulicher Praxis - und dem Wissen darum - tragen individuelle Investitionen zu Schönheit, Funktionalität und Nachhaltigkeit der Stadt im Bestand bei.
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© Doreen Ritzau, Rechte: IBA-Büro GbR
Quedlinburg: "Perspektive Weltkulturerbe"
Quedlinburg hat eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Innenstädte Deutschlands. Die UNESCO-Welterbestadt will jenseits von Musealisierung dieses Erbe wahren und entsprechend den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts zukunftsfähig gestalten. Dabei setzt sie auf lokale öffentlich-private Partnerschaften, aber auch auf internationale Kooperationen für den Erhalt und die Entwicklung des 90 ha großen Flächendenkmals. Die Strategien können auch für andere Welterbestädte beispielhaft werden.
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© Doreen Ritzau im Auftrag der IBA-Büro GbR; 2009
Sangerhausen: "Rating - für lebenswerte Stadtquartiere“
Sangerhausen ist aufgrund seiner Industrie- und Bergbaugeschichte nach 1945 stark gewachsen. Neben einer Altstadt weist die Stadt deshalb die gesamte Bandbreite des seit den 1950er Jahren realisierten Siedlungsbaus auf. Heute müssen insbesondere die zwei großen Wohnungsunternehmen ihre Bestände reduzieren und aufwerten. Sie handeln dabei nach einem abgestimmten Stadtentwicklungskonzept. Partner beim Umbau der Bestände für eine ältere Bewohnerschaft sind die Träger der Wohlfahrtspflege.
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© Foto: Müller, Rechte: IBA-Büro GbR
Schönebeck (Elbe): "Siebzehnhundertvierundsiebzig"
Die Stadtgestalt Schönebecks ist durch die 1774 durch Friedrich II. realisierten, so genannten Kolonistenstraßen geprägt, die seither die drei Stadtteile verbinden. Der historische Grundriss gibt heute den Anstoß zur Rückbesinnung auf die Stadtkerne und erlaubt die Neuordnung von Landschaft, urbaner Landwirtschaft und Gärten. Die Kerne werden dabei mit unterschiedlichem Profil qualifiziert: Bad Salzelmen hat sich als Kurort profiliert, die Altstadt soll ein neues Image als Wohn- und Dienstleistungsort erhalten und Frohse könnte künftig vom Wassertourismus profitieren.
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© Doreen Ritzau im Auftrag der IBA-Büro GbR; 2008
Staßfurt: "Aufheben der Mitte"
Wie viel Zentrum braucht die Stadt? Staßfurt arbeitet an innovativen Gestaltungen für die durch Bergbaufolgeschäden dauerhaft verlorene Mitte. Ziel ist es, dem einstigen Zentrum eine neue Identität und Bedeutung zu geben. Die Bürger haben sich für einen See entschieden, der durch seine künftige Ufergestaltung zur Bewahrung der Mitte im "Stadtgedächtnis" beitragen soll.
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© Grafik: Doreen Ritzau, Rechte: IBA-Büro GbR
Hansestadt Stendal: "Zentraler Ort im ländlichen Raum“
Stendal ist größte Stadt und größtes städtisches Zentrum in der extrem dünn besiedelten Altmark. Ihr Ziel ist es, für die Bewohner der Stadt und des ländlichen Raums ein breites Spektrum an Leistungen öffentlicher Daseinsvorsorge in guter Qualität zu bieten. Zugleich will die Hansestadt noch attraktiver für junge und neue Einwohner werden. Dafür entwickelt und fördert sie gezielt Partnerschaften zwischen Bildungs- und Kultureinrichtungen, Wirtschaftsunternehmen und Kommunen.
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© Foto: Rene Weiszbart, Rechte: IBA-Büro GbR
Wanzleben: "Familie Stadt“
Wanzleben behandelt Stellung und Chancen von Familien in der Stadt ebenso wie die sozialen Potenziale des Gemeinwesens, die als Ressource gestärkt werden sollen. Der Schlüssel liegt in einer generationsübergreifenden Familienpolitik und einem familienfreundlichen Profil. Dabei wird das System der Familien auf die urbane Gesellschaft übertragen. Zivilgesellschaft, Unternehmen und Verwaltung übernehmen gemeinsam Verantwortung für „"orge-Arbeiten", um die Lebensqualität zu steigern und Abwanderung zu stoppen.
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© Doreen Ritzau, 2007
Weißenfels: "GründerZeit“
Weißenfels hat neben einer bedeutenden Altstadt eine Neustadt, in der sich früher Industriebetriebe befanden. Dort trennen ehemalige Betriebsgelände den modernen nördlichen von seinem gründerzeitlichen südlichen Teil. Aus dem Trennenden soll eine Verbindung werden. Dabei setzt Weißenfels auf Synergie, will Landschaft in die Stadt holen, Potenziale in der Lebensmittelproduktion nutzen und Arbeitsplätze sichern sowie Wohn- und Bildungsqualitäten erhöhen.
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Weitere Informationen
IBA-Büro GbR
Gropiusallee 38
06846 Dessau-Roßlau
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